Zu den Fälschungen der Dienstmarken Luxemburgs

Ein schwieriges Gebiet. Mit Herrn René Demuth hatten wir einen kompetenten Prüfer, dessen Prüfzeichen anerkannt ist, genau wie das kleine FSPL -Prüfzeichen. Herr Demuth lebt heute in einem Seniorenheim und kann nicht mehr prüfen, und die Prüferkommission der FSPL besteht nicht mehr.

Dienstmarken wurden für die Auslands-Dienstpost von staatlichen Behörden (Gerichten etwa) und Ministerien gebraucht. Behördenpost im Inland genoss Portofreiheit. Die Ministerien hatten alle ihren Sitz in der Stadt Luxemburg. Gerichte (mit der Staatsanwaltschaft z.B.) befanden sich, außer in der Stadt Luxemburg auch in größeren Ortschaften wie z.B. Esch-Alzette, Diekirch, Echternach, Grevenmacher und auch in Cap.

Das Luxemburg ein kleines Land ist, gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Sehr viel, mit Dienstmarken frankierte, Behördenpost konnte es also nicht geben. Die bisher bekannten Briefe mit dem Mi.-Nr. 1 bis 34 z.B. lassen sich an zwei Händen abzählen. Privat- oder Geschäftskorrespondenz dagegen gab es jedoch schon eher; gestempelte Marken also auch.

Die Fälscher wussten was gebraucht wurde und machten sich an die Arbeit. Die leeren Stellen in den Vordruckalben warteten darauf gefüllt zu werden.

Wenn man einige Regeln befolgt, lässt sich schon eine Anzahl von Marken aussondern, bei denen der bloße Augenschein sagt: Das stimmt doch was nicht! Gleich hier einige Beispiele:

  • bei 90 % der klassischen Dienstmarken wurde der (falsche) Aufdruck auf schon entwerteten „Normalmarken“ angebracht. Schon mit einer gewöhnlichen Lupe ist zu erkennen, ob der Stempel den Aufdruck bedeckt oder sich der Aufdruck auf dem Stempel befindet.
  • Herr Demuth sagte mal zu mir: „Trauen Sie bis zu einer Prüfung keinen Dienstmarken, die mit dem kleinen Doppelkreisstempel (Typ 05) entwertet sind. Davon sind 95 % falsch“.
  • farbige Stempelabdrucke (grün, blaugrün, blau etwa) gehören mehrheitlich zu Paket-postagenturen. Diesen Poststellen war es nicht gestattet Briefpost abzufertigen. Ein OFFICIEL- oder S. P. – Aufdruck auf Marken mit diesen Stempeln ist also immer falsch à Abbildungen. Die Unkenntnis der Fälscher hilft uns heute Fälschungen zu erkennen, hat aber auch dazu geführt, das eine Anzahl von Marken mit seltenen Stempeln praktisch wertlos wurden.
  • auch Marken mit Stempeln von anderen Ortschaften als den weiter oben genannten, sind weit von echt entfernt. Fast alle als echt geprüften gestempelten Dienstmarken tragen Stempel der Hauptstadt. Es war in anderen Orten einfach kein Bedarf da, weil es auch keine Behörden gab, welche die Marken brauchten. Wer brachte denn zu dieser Zeit einen Dienstbrief etwa aus Echternach nach Wecker, wenn das Ortspostamt gleich um die Ecke lag?

Die Zeilen sind als kleine erste Hilfe bei der Bestimmung gedacht.

SAEUL_falsch  JUNGLINSTER_falsch   MAMER_falsch