Bekannte Fälscher

 Es  entbehrt nicht einer gewissen Logik, in einem Kapitel über Fälschungen und deren Erkennung auch die Geschichte einzelner namhafter Fälscher zu integrieren. Dies ergibt sich u.a. aus ihren Produkten, die  größtenteils keine "no name" Produktionen sind, sonder sich durch individuelle "Stammbäume" auszeichnen.

Dies gilt um so mehr, wenn derartige Falsifikate geradezu den Künstler durchscheinen lassen, dessen Geschicklichkeit und Können sie ihre Entstehung verdanken. Hier ist also nicht die Rede von der Fälschungs-Massenware primitiver Art, von der Schwemme neuzeitlicher Billig-Offsetprodukte, schon gar nicht von Vignetten und privaten Nachahmungen. Es geht um die "Meister" ihres Faches, um Beispiele von Persönlichkeiten, deren Psychogramm den Fälschertypus erhellt, der die Nähe von Kunst und Betrug, von Genialität und Kriminalität, erhellt. Dabei ist es aus philatelistischer Sicht eindeutig, dass diese Personen Fälscher sind, deren Produkte den philatelistischen Markt erschüttert und verändert haben.

Die folgenden pdf-Dateien informieren über Leben und "Werk" der wohl berühmtesten Fälscher!

Der Fall Emil Reinhard Krippner

Emil Reinhard KrippnerZweifellos war Krippner nicht der erste bekannte Fälscher des 19. Jahrhunderts, aber ebenso unzweifelhaft war es gerade sein Fall, der zum ersten Mal der philatelistisch interessierten Öffentlichkeit die Einzelheiten von Betrug, List und Tücke in einem bis dahin nicht gekannten Umfange deutlich werden ließ. Ursächlich war dies zweifelsohne der philatelistischen Fachpresse zu verdanken, die in einem nicht gekannten Maße über den Prozess gegen Krippner, der am 12. Oktober 1891 eröffnet wurde, berichtete.

Dieser Prozess erschütterte vor weit mehr als 100 Jahren die Philatelie zum ersten Mal, zeigte er doch auch die Grenzen des damaligen Prüfwesens, aber auch die Rafinesse auf, mit der es Krippner verstanden hatte, gutgläubige Sammler wie Händler zu täuschen.

Seine Fälschungen sind heute häufig noch unerkannt in Verkehr. Es sind keine Massenprodukte, aber exzellent produzierte Nachahmungen und Verfälschungen. Über die Details gibt die herunterladbare lesenswerte Kompass-Ratgeber-Datei Auskunft.

Emil Reinhard Krippner

Georges Fouré: Ein Meister seines Fachs

georges_foureBedeutete der Fall Krippner eine Gewitterfront für die deutsche Philatelie, darf man getrost den Fall Fouré als ein Erdbeben ansehen, das die Philatelie-Szene nicht nur in Berlin oder Deutschland, sondern auch in anderen damaligen Ländern geradezu erschüttern sollte. So wenig glaubhaft klangen die ersten Nachrichten über die seltsamen Vorgänge um Fouré, so sensationell schienen die Entdeckungen, zumal „höchste Kreise“, sprich Angestellte, Beamte der Reichsdruckerei ebenso in den Skandal verwickelt schienen wie unter den Opfern Fourés selbst der bekannteste Sammler jener Zeit, der „Briefmarkenkönig“ Philipp von Ferrari, zu verzeichnen war.

Die Story hatte eben alles, was eine publizistisch wirksame Geschichte haben soll: einen geheimnisumwitterten „Gentlemanverbrecher“, mehr oder wenige unbekannte Handlanger und eine Opferliste, die endlos lang und deren Geschädigte prominent genug waren, um die Aufmerksamkeit der Presse zu erzielen. So war der Fall Fouré eben nicht nur Füller in Fachzeitschriften, sondern Tagesgespräch in und um Berlin, er füllte die Gazetten der Zeit, die immer auf der Suche nach Skandalen waren und nun einen gefunden zu haben glaubten, der selbst bislang ehrwürdigste Institutionen in Verruf brachte.

Die herunterladbare pdf-Datei präsentiert einen der besten Überblicke, die je zu Fouré geschrieben wurden, reichlich illustriert.

Georges Fouré

François Fournier: "Kunst im großen Stil"

Francois_FournierEr hielt sich für einen wahrlich begnadeten Künstler, protzte gerne mit angeblich oder tatsächlich ihm verliehenen Auszeichnungen und Preisen bei internationalen Ausstellungen, bezeichnete sich selbst gerne als Verleger und sein Geschäft als Kunstverlag – aber all das war nur Fassade, die umso mehr bröckelte, als der Erste Weltkrieg sein Geschäft nahezu zum Erliegen brachte.

Fournier ist weder mit Krippner noch mit Fouré vergleichbar. Er fälschte im großen Stil, in Massen, und nahezu jede klassische Ausgabe der Erde ahmte er nach. Er produzierte eine Fülle falscher Stempel und lieferte so fast alles, was das Herz begehrte. Im Unterschied zu den vorgenannten machte er aus seinem Tun keinen Hehl, ja er brüstete sich sogar damit. Fournier war der erste namhafte Großproduzent, der für zehn bis 15 Jahre die Philatelie in ganz Europa beschäftigen sollte.

Fournier-Fälschungen sind auch heute nicht selten, wie der Blick in die herunterladbare pdf-Datei zu zeigen vermag. Aber Fourniers Geschichte ist interessant zu lesen, zumal sie zeigt, wie schwer es auch damals war, solche Fälschungswerkstätten „auszutrocknen“.

Francois Fournier

Jean Sperati: Gefangen in der eigenen Falle

Jean_de_SperatiMan stelle sich ein Szenario vor, in dem der Fälscher sich gegen Vorhaltungen zur Wehr setzen muss, seine von ihm kunstvoll geschaffenen Produkte seien ja alle echt? Eine verkehrte Welt? Mitnichten, denn auch das hat es gegeben. 1943 in einem Aufsehen erregenden Prozess, der für Jahre die philatelistische Öffentlichkeit in Atem halten sollte.

Jean de Sperati ist mit keinem anderen Fälschertypus vergleichbar. Auch er sah sich – vergleichbar Fournier – nicht als Fälscher, sondern als Künstler, der in späteren Jahren stolz seine Werke als Facsimiles signierte, sogar Druckproben davon schuf, die die Schönheit, Brillanz und Akuratesse seiner Kreationen im Einzelabzug ohne Entwertung zeigten, für die er selbst ein Copyright beanspruchte und jede Vervielfältigung untersagte. Anders als Fournier war er aber ein hochbegabter und fähiger Könner, sowohl im drucktechnischen wie im philatelistischen Sinne.

Die herunterladbare pdf-Datei stellt den Meisterfälscher Sperati in Wort und Bild vor.

Jean de Sperati

Peter Winter: Was darf’s denn sein?

Peter_WinterWinter selbst genießt wohl den pressegängigen Begriff des modernen „Kujau der Philatelie“, aber bei weitem nicht alle seiner Produkte sind denen eines Sperati vergleichbar. Zuweilen mag man gar den Eindruck gewinnen, ihm mangele es sowohl an der technischen Qualifikation wie an der intensiven Kenntnis all der Bestandteile und Ingredienzien, die für eine hervorragende Imitation vonnöten sind, aber davon sollte man sich lieber nicht vorschnell täuschen lassen. Er verfügt vielleicht nicht über Speratis Chemie- und Produktionskenntnisse, noch kann er dessen Papiererfahrung und -lager sein eigen nennen, dafür wurde er aber hervorragend von einem Bremer Briefmarken-Händler beraten. Soweit bekannt, fertigt er zwar nicht selbst, sondern lässt (auch?) in ganz „normalen“ Druckereien seine Falsifikate drucken. Was Sperati aber deutlicher von ihm abgrenzt, war dessen enorme philatelistische Fachkenntnis. Demgegenüber findet man in dem Angebot Winters eine Reihe von fragwürdigen Zusammenstellungen, die es bei näherer Betrachtung so gar nicht geben kann und darf.

Über diesen heute noch – allerdings im Ausland – lebenden Fälscher berichtet der Text in dieser herunterladbare pdf-Datei, wobei das Kapitel „Winter“ allerdings noch nicht abgeschlossen ist.

Peter Winter

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