„Gesalzene“ Sammlungen

Jede Mahlzeit schmeckt ohne ein Prise Salz einfach fade. Und ein Briefmarkensammler ist auch ständig auf der Suche nach dem Salz in der Briefmarkensuppe. Mit anderen Worten, nach den teuren Werten, die ihm noch fehlen.

Mittlerweile leben viele Onlineverkäufer davon, den Käufern weiss zu machen, dass ihre Angebote genau diese seltenen Werte enthalten. Die Zutaten für das Rezept sind denkbar einfach:

Man nehme eine Sammlung mit vielen Alben und niedrigpreisigen Marken, gebe Ihr einen interessant klingenden Namen ("Sammlung Widukind – uriger und unberührter Sammlernachlass"), füge ein paar Steckkarten mit Fälschungen dazu und rechne dann einen utopischen Michelwert aus ("500.000 Euro KW – Alben unberechnet"). Dazu reichlich Bilder, der Käufer möchte ja sehen, was er kauft. Aber immer darauf achten, dass das "FAUX"/"Nachdruck"/"Falsch" nicht gelesen werden kann. Fertig ist eine ungeniesbare Briefmarkensuppe mit einem faden Nachgeschmack.

Ab und zu taucht der Hinweis auf, dass "eventuell falsches Material enthalten sein könnte". Da man kein Prüfer sei, wüsste man es nicht so genau. Wer will dem Verkäufer das auch übelnehmen! Und das Angebot läuft doch ab 1 Euro, das ist ja geschenkt…

Mit diesem Geschäftsmodell werden jährlich Millionen von Euro verdient. Die Gestehungskosten sind minimal und oft werden mehrere Prozent des fiktiven Katalogwertes erlöst. Schlussendlich ist also nur der Kaufpreis für die Sammlung "gesalzen" gewesen.